12.03.2017, Sonntag, 11:00 Uhr bis 04.06.2017, Sonntag, 17:00 Uhr

DIE AUSSTELLUNG WIRD VERLÄNGERT BIS ZUM 4. Juni 2017

Finissage: Sonntag, 14.05.2017, 11 Uhr

Lautenmusik aus Luthers Zeit mit Johannes Jendrek (Laute), Ulrike Jendrek (Gesang und Lesung), Susanne Zimmer (Klavier/Blockflöte)

Ohne Zweifel gehören Martin Luther und Johann Wolfgang Goethe zu den großen Persönlichkeiten der Weltkultur. Charakter und Lebenswerk Martin Luthers, insbesondere seine Bibelübersetzung, haben den Protestanten und Dichter Goethe lebenslang begleitet.

In einer Ausstellung aus Beständen der Sammlung Anton und Katharina Kippenberg zeigt das Goethe-Museum im Jahr der 500. Wiederkehr der Reformation die vielfältige Bedeutung Luthers für Goethes Denken und die theologisch-literarische Auseinandersetzung im eigenen Werk. Der bibelfeste Jurastudent Goethe schätzte die Klarheit des lutherischen Ausdrucks, gerade in der Jugend die deftig-derbe Sprache des Theologen. In dieser Zeit der Orientierung des eigenen Ich entwickelt sich besonderes Interesse für die Bedeutung des 16. Jahrhunderts. Zahlreiche Werke, wie "Götz von Berlichingen", "Torquato Tasso" und "Faust" I und II wurzeln in dieser Zeit der Entdeckungen und beginnenden intellektuellen Selbstwahrnehmung des Menschen. Sprache ist Instrument der Verständigung, und die Macht des Wortes wird im Herzen erfahren.

Auf drei Ebenen ereignet sich die Begegnung Goethes mit Luther. Er achtet die kämpferische Persönlichkeit des Reformators, er bewundert die monumentale Leistung der Bibelübersetzung, und er verwendet als Dichter eine wesentlich von Luther bereitgestellte Sprache und Rhetorik. Goethes Werk ist durchdrungen von Formulierungen und Sentenzen, die ihren Ursprung in Luthers Sprache der Bibel haben. In "Faust I", Szene Auerbachs Keller, findet sich die sogenannte "Lutherstrophe", die "Walpurgisnacht" verweist anspielungsreich auf biblische Figuren. In seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" werden die persönlichen Erfahrungen mit der Wirkung des "Befreiers aus der geistlichen Knechtschaft" als Annahme wie Ablehnung geschildert und eingeordnet. 1816/17 wird der alte Goethe während der "Divan"-Zeit mit dem Fest zum 300jährigen Reformationsjubiläum konfrontiert. Zwischen west-östlichem Dialog und der Weltreise von Faust, seinem "Hauptgeschäft", stehend, gerät dieses Ereignis zu einer besonderen Herausforderung, die es literarisch zu gestalten gilt.

Wertvolle originale Handschriften, darunter eigenhändige Briefe und Manuskripte, Stammbücher, Erstausgaben, Almanache, Porträts, Landschaftsansichten veranschaulichen eine neue Dimension des Luther-Verständnisses im 18. und 19. Jahrhundert. Luthers Aussagen erhalten durch Goethes geistige Durchdringung einen Vermittlungsimpuls in die Moderne.

Eintritt: 4 Euro, ermäßigt: 2 Euro