Home > XIII THEATERKABINETT

VIII,41 

FRIEDRICH SCHILLER(1759-1805)


Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie von Schiller.

In: Kalender auf das Jahr 1802. Berlin. Bei Johann Friedrich Unger.

Mit Titelkupfer von Johann Friedrich Bolt (1769-1836)

Erstausgabe



VIII,42 

FRIEDRICH VON SCHILLER (1759-1805)


Wilhelm Tell Schauspiel von Schiller. Zum Neujahrsgeschenk auf 1805. Tübingen, in der J. G. Cotta´schen Buchhandlung. 1804.

Erstausgabe, mit drei kolorierten Kupferstichillustrationen von C. Müller nach Georg Melchior Kraus (17331806)

Schillers "Wilhelm Tell" wurde zu einem weiteren Höhepunkt in der Zusammenarbeit von Schiller und Goethe für das Weimarer Theater. Die Uraufführung am 17. März 1804 fand begeisterte Resonanz. Hatte sich schon die Zahl der Rollen in der "Jungfrau von Orleans" als für das kleine Weimarer Ensemble zu groß erwiesen, so mußten erst recht bei diesem neuen Stück manche Darsteller mehrere Rollen spielen.



VIII,43 

WEIMARISCHES BÜHNENBILD ZU SCHILLERS "RÄUBERN"


Das ist meines Vaters Stimme! Die Räuber, IV Act, Scene V

Kolorierter Kupferstich von C. Müller
52 x 60,5 cm

Dieses und die folgenden Bilder gehen auf Inszenierungen zurück, die in der Art der Gestik und Gruppierung der Personen charakteristisch für den Weimarer Stil sind.



VIII,44 

WEIMARISCHES BÜHNENBILD ZU SCHILLERS "DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESKO ZU GENUA"


Es ist mein Weib! Fiesko, Aufzug V, Scene XII.

Kolorierter Kupferstich von C. Müller nach Georg Emanuel Opiz (1775-1841)
50,3 x 60 cm



VIII,45 
WEIMARISCHES BÜHNENBILD ZU "WALLENSTEINS TOD"


Scheidet! Wallensteins Tod, Aufzug III., Auftritt XXIII.

Kolorierter Kupferstich von C. Müller nach August Nahl (1752-1825)
61,8 x 47 cm

Oberstes Ziel der Weimarischen Aufführungspraxis war ein ästhetisch ausgewogener Gesamteindruck. Alle Bereiche der Bühnenkunst sollten dazu beitragen, ein harmonisches "Gesamtkunstwerk" zu vermitteln. Zweck des Bühnenbildes ist es, einen für den Gehalt des Stückes aussageträchtigen Rahmen zu bilden, innerhalb dessen sich die Handlung wie ein bewegtes Gemälde vollzieht. Dabei kommt der Gruppenregie erhöhte Bedeutung zu. Haupt und Nebenhandlung werden in einzelnen Gruppierungen greifbar, von denen jede in sich abgerundet ist und dennoch auf den harmonischen Gesamteindruck bezogen bleibt. Die Vorbilder dieser ausgewogenen Bewegungsregie entnahm man berühmten Werken der bildenden Kunst und der Antike.


Bild vergrößern


VIII,46 

CARL WILHELM HOLDERMANN


Theaterdekoration zu Schillers "Die Braut von Messina"
Aquarell
21,4 x 29,2 cm

Die Uraufführung der "Braut von Messina" fand am 19. März 1803 in Weimar statt. Das Bühnenbild von Holdermann kann frühestens für eine Aufführung im Jahre 1817 entworfen worden sein. Dennoch ist es ein typisches, Beispiel für den Inszenierungsstil der klassischen Epoche. Das Geschehen spielt vor einem Hintergrundprospekt, der durch eine Vordergrundkulisse gerahmt wird. In Anlehnung an Schillers Bühnenanweisung, die eine geräumige Säulenhalle mit Eingängen zu beiden Seiten forderte, hat Holdermann die Halle so angelegt, daß von einem Mittelpunkt im Vordergrund aus zwei Säulengänge diagonal in die Tiefe führen. Die Dramaturgie des Stückes und die Regie werden so durch das räumliche Schema unterstützt. Es ist eine kontrastierende Stellung der beiden Chöre möglich, und die beiden feindlichen Brüder, die Hauptfiguren des Stückes, prallen, aus verschiedenen Richtungen kommend, in der Mitte aufeinander.



DIE ZEIT NACH SCHILLERS TOD BIS ZU GOETHES RÜCKTRITT VON DER THEATERDIREKTION 

VIII,47 
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832)


Scizze zu einer Decoration zur Saal-Nixe gemacht von Göthe

Aquarell über Rötelzeichnung 20,7 x 34,2 cm

Goethe hat sich gelegentlich eigenhändig mit Fragen des Bühnenbildes beschäftigt. Die Oper "Die Saal-Nixe" wurde in den Jahren 1802 bis 1805 und 1811 bis 1813 mehrfach aufgeführt. Goethes Bühnenbildentwurf steht wahrscheinlich mit der zweiten Aufführungsserie in Verbindung. Dem Stück lag "Das Donauweibchen" zugrunde, ein romantisch-komisches Volksmärchen mit Gesang in drey Aufzügen" von Karl Friedrich Hensler (1759-1825). Die Bearbeitung von Vulpius war auf Weimarer Verhältnisse abgestimmt. In Goethes Prospekt läßt sich eine stilisierte Darstellung des Saaletals in der Gegend von Lobeda und Burgau unschwer erkennen, ein Motiv, das auch anderweitig in Goethes Zeichnungen auftaucht.


Bild vergrößern


VIII,48 
PIUS ALEXANDER WOLFF (1782-1828)


Kupferstich von Rosmaesler nach Joseph Raabe (1780-1846)
Oval: 18,2 x 11,9 cm

Wolff kam 1803 als junger Schauspieler nach Weimar. Goethe bezeichnete ihn später als seinen eigentlichen Schüler. Zusammen mit seiner Frau, Amalie Wolff-Malcolmi (1783-1851) übertrug er den klassischen Weimarer Stil auf das Berliner Nationaltheater, das im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zur fahrenden deutschen Bühne wurde.

Goethe erteilte Plus Alexander Wolff und dem ebenfalls noch sehr jungen Carl Franz Grüner (1780-1845) persönlichen Unterricht. Aus dieser praktischen Erfahrung resultieren Goethes "Regeln für Schauspieler", von Wolff unmittelbar niedergeschrieben und von Johann Peter Eckermann (1792-1854) in Goethes "Nachgelassenen Werken" veröffentlicht. Pius Alexander Wolff feierte seinen größten Triumph in der Rolle des Hamlet, der seit 1799 in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel (1767-1845) in Weimar gegeben wurde. 1807 studierte Wolff heimlich den "Tasso" ein und überraschte Goethe mit der Aufführung.


Bild vergrößern


VIII,49 
WEIMARISCHER THEATERZETTEL: HAMLET


Weimar; Sonnabend, den 31. März 1810, Hamlet, Prinz von Dänemark. Trauerspiel in fünf Aufzügen, von Shakespear, nach August Wilhelm Schlegels Uebersetzung.

Die Hauptrolle war mit Pius Alexander Wolff besetzt. Seine Frau spielte die Ophelia.


Bild vergrößern


VIII,50 

ANNA AMALIE CHRISTIANE WOLFF-MALCOLMI (1783-1851)


Lithographie von Brauns und G. Eduard Müller nach Y. von Seydlitz 19,6 x 13,8 cm

Amalie Wolff-Malcolmi spielte 1803 in Weimar zum ersten Mal die Donna Isabella in Schillers "Die Braut von Messina", die später zu ihrer berühmtesten Rolle wurde. Eine ihrer weiteren Glanzrollen war die Julia in Shakespeares "Romeo und Julia". Sie stammte aus der verzweigten Schauspielerfamilie Malcolmi. Ihr Vater war schon unter Bellomo in Weimar engagiert gewesen. Goethe hatte sie bald nach der Gründung des Hoftheaters in Kinderrollen beschäftigt, später als zweite Liebhaberin und Opernsängerin. Bevor sie Plus Alexander Wolff heiratete, war sie mit dem Schauspieler Heinrich Becker, dem Witwer von Christiane Becker-Neumann, verheiratet.



VIII,51 

THEODOR KÖRNER (1791-1813)


Porträtminiatur von unbekannter Hand Deckfarben auf Elfenbein
Oval: 5,6 x 4,5 cm

Das Weimarer Theater unter Goethes Leitung nahm nach 1810 auch neue Impulse aus der zeitgenössischen Literatur auf. Dazu gehörten die Dramen und Lustspiele von Theodor Körner, von denen Goethe acht zwischen 1812 und 1816 fünfzigmal aufführte. Der Verfasser, der in den Freiheitskriegen fiel, erlebte diesen Erfolg nicht mehr.



VIII,52 

FRANÇOIS JOSEPH TALMA (1763-1826)


Kupferstich von Aubert sourd-muet nach Hollier
26 x 20,6 cm

Anläßlich von Napoleons Aufenthalt in Weimar im Oktober 1808 gab das Theatre Français ein Gastspiel mit Talma. Goethe traf mit dem berühmten französischen Schauspieler zusammen, der ihn nach Paris einlud und der aus Goethes "Werther"-Roman ein Trauerspiel machen wollte. Die Weimarer Schauspieler, insbesondere Caroline Jagemann und das Ehepaar Wolff, waren von Talmas Schauspielkunst tief beeindruckt. Plus Alexander Wolff drängte den berühmten Gast, ihm Hamlets Monolog vorzusprechen, und versuchte dann, Talmas Stil, vor allem seine Sprünge im Tonfall, nachzuahmen. Goethe warnte allerdings vor solcher Nachahmung, weil er zu Recht fürchtete, sie könne sich zu einer Manier entwickeln.



VIII,53 

ANTON GENAST (1765-1831)


an Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
o. 0. u. D. [Lauchstädt, 1811 oder 1812]

Eigenhändiger Brief

Der Brief des Schauspielers und Opernsängers Anton Genast ist ein Zeugnis für die kriegerischen Ereignisse dieser Jahre, deren Folgen ihre Schatten auch auf das Weimarer Theater warfen.

Seit 20 Jahren gehe ich nach Lauchstädt, aber so erbärmlich wie es dieses Jahr aussieht, habe ich es noch nie gefunden die Badeliste zeigt Nr. 48 an, und darunter sind [...] 6 kranke Soldaten, die durch Statistenmachen sich Ihr Recreationsgeld erwerben. Zu dem standhaften Prinzen [von Calderon] ist etwas aus Leipzig und Halle gekommen, und dennoch die Einnahme bei vielem Beifall nur 6 Th gewesen; [...] so bleibt den anwesenden Churgästen nichts übrig als die Bäume zu zählen, oder an die Buden zu treten, und das Gremium jammernder Krämer mit anzuhören.



VIII,54 

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832)


an die Mitglieder der Hoftheater-Kommission, Franz Kirms (1750-1826) und Leopold Kruse
Weimar, 5. Januar 1812

Schriftstück mit eigenhändiger Unterschrift

Aus Anlaß der bevorstehenden Ankunft eines ständigen französischen Gesandten in Weimar äußert Goethe sich über den zunehmend politischen Gehalt zeitgenössischer Bühnenstücke und die Theaterzensur:

Diejenigen Personen, welchen die Führung eines Hof-Theaters anvertraut worden, und besonders die, deren Obliegenheit es ist zu beurtheilen, ob ein Stück aufführbar sey, haben sich seit geraumer Zeit in einer sehr unangenehmen Lage befunden, indem die deutsche Bühne sich nicht nur von den strengeren Geschmacks-Regeln, sondern auch von manchen andern Verhältnissen und Betrachtungen losgesagt und sowohl im Kunst- als bürgerlichen Sinne die Gränzen weit überschritten hat. [...]

Neue Stücke wurde ich vor wie nach durchsehen u beurtheilen, und sollte sich etwas Verfängliches darinfinden, es sogleich wegstreichen, und das Exemplar, mit Bemerkung meines Namens auf dem Titelblatte, als Zeugniß daß ich das Stück gelesen, dem Beauftragten zusenden [...]

Ferner würde man, sobald die neue Einrichtung getroffen ist, die ältern Stücke, die sich auf dem Repertorium gehalten haben, nach und nach dem Beauftragten zuschicken, und mit denjenigen den Anfang machen, welche zunächst aufzuführen bestimmt sind. Denn was eben diese ältern Stücke betrifft, so ist man am ersten in Gefahr, Stellen zu übersehen, welche eine Deutung auf das Gegenwärtige zulassen.



VIII,55 

CARL WILHELM FERDINAND UNZELMANN (1753-1832)


Gedenkmünze in Bronze
2,9 cm ø

Die Münze wurde geprägt aus Anlaß des dreißigjährigen Bühnenjubiläums des Schauspielers, der seit 1791, als Goethe die Leitung des Hoftheaters übernahm, dem Ensemble angehörte.



VIII,56 

TAGEBUCH DER DEMOISELLE ERNESTINE ENGELS (gest. 1845) VOM JAHRE 1816


Eigenhändiges Manuskript

Dieses Tagebuch einer Weimarer Schauspielerin, die seit 1805 an der dortigen Bühne tätig war, gibt eine eindringliche Milieuschilderung des täglichen Lebens. Ernestine Engels war eine Freundin von Christiane von Goethe. 1818 heiratete sie den Schauspieler Friedrich August Durand (1787-1852). Zwischen vielerlei Besuchen, Klatsch und Unterhaltung, Kartenspiel und Geldsorgen, Erfolgen und Enttäuschungen im privaten Leben, Näharbeiten an den selbst gestellten Kostümen geht man zwischendurch mal eben zur Probe eines neuen Stücks. Das Tagebuch beweist, wie wenig doch die meisten Schauspieler sich Goethes Begriff von der Würde ihres Standes zu eigen machten und wie wenig sie seinen Intentionen zu folgen vermochten. Trotzdem spürt man aus allen Äußerungen die Gutwilligkeit und Bereitschaft, die Anhänglichkeit an Goethe und die Freude über Lob und Zufriedenheit von seiner Seite heraus.



VIII,57 

CARL WILHELM REINHOLD (1777-1841)


Saat von Göthe gesäet dem Tage der Garben zu reifen. Ein Handbuch für Aestbetiker und junge Schauspieler. Weimar und Leipzig. 1808.

Der Zusammenbruch Preußens 1806, die nachfolgenden Befreiungskriege, die sich verbreitenden Vorstellungen der Romantik brachten bewegte Zeitläufe und geistige Unruhe. Goethes Stil der Harmonisierung und des Bewahrens, wie er ihn auf dem Theater verfolgte, wurde von den Zeitgenossen nicht mehr verstanden. Seine Stilisierung wurde als Manier ausgelegt und fand Kritik und Ablehnung.

Die Schrift des Hamburger Publizisten und Theaterschriftstellers, dessen richtiger Name Zacharias Lehmann war, richtet sich gegen Goethe und den besonderen Weimarer Stil, gegen das unvernünftige Triumphiren jener stockdummen Aesthetiker, gegen die Arroganz jener verbildeten Seminar-Schauspieler und gegen das Schwanken desjenigen Theiles des Publikums, welcher, ohne ein eigenes Urtheil zu haben, sich immer gern nach den sogenannten Tonangebern richtet.

Er schreibt, Goethes Lieblingsgedanke sei es gewesen, ins Schauspielwesen zu pfuschen, [...] und so mußte sich der gutmüthige Schiller brauchen lassen, unter der Melodie des Griechischen Chors die Lieblings-Castanzen für seinen Freund aus dem Feuer zu holen. - Denn nicht allein daß Göthe [...] Oberhaupt der Mann nicht war, der in diesem Fache die Menge bestechen und verfuhren konnte: so fiel die Ausführung dieser Lieblings-Idee noch dazu in eine Periode, wo er [...] schon anfing literarisch todt zu werden.

Das Buch bringt im wesentlichen eine Parodie der Goetheschen "Regeln für Schauspieler". Reinhold war selbst als Schauspieler in Weimar engagiert gewesen und wurde, nachdem er sich dort mehrfach unbeliebt gemacht hatte, schließlich entlassen. Wenn auch vielleicht persönlichen Ressentiments entsprungen, traf das Pamphlet Goethes Theaterarbeit doch an der empfindlichsten Stelle, nämlich dort, wo sie in Gefahr geriet, Stilisierung und Symbolik um ihrer selbst willen zu betreiben.



VIII,58 

FRAU VON HEYGENDORFF geb. CAROLINE JAGEMANN (1777-1848)


Lithographie von Franz Seraph Hanfstaengl (1804-1877)
43,5 x 34 cm

Caroline Jagemann, inzwischen, nicht zuletzt ihrer von Herzog Carl August stammenden Kinder wegen, im Januar 1809 zur Frau von Heygendorff geadelt, blieb der unbestrittene Star des Weimarer Theaters. In späteren Jahren konnte sie sich ihre Rollen selbst aussuchen und brauchte nur aufzutreten, wenn es ihr beliebte. Ihr Ehrgeiz führte zu mancher Kontroverse mit dem Theaterdirektor Goethe. 1808 kam es zu einer schweren Krise, in deren Verlauf Goethe entschlossen war, die Theaterleitung abzugeben. Nur der Vermittlungskunst des vom Herzog wie von Goethe gleichermaßen geschätzten Ministers Christian Gottlob von Voigt (1743-1819) war es zu verdanken, daß ein Kompromiß gefunden wurde. Die Folge war die Trennung der Oper vom Schauspiel, wobei für das letztere Goethe weiterhin allein zuständig war.



VIII,59 

JOSEPH AUGUST ADAM


Der Hund des Aubride Montdidier, oder der Zweikampf auf der Insel Notre-Dame. Ein romantisches Schauspiel in vier Aufzügen, von Joseph August Adam.

In: Neueste deutsche Schaubühne, oder dramatische Bibliothek der neuesten Lust- Schau- Sing- und Trauerspiele für das Jahr 1817. Sechster Band. Mit einem Titel-Kupfer. Augsburg und Leipzig, in Kommission in der von Jenisch und Stageschen Buchhandlung.

Mit Titelkupfer von A. Dalbon nach Th. Weber: Zweykampf mit dem Hunde.

Der Zweikampf mit dem Hund bildet den Höhepunkt des Stückes, eine Art Gottesgericht, das den Mörder seines Herrn trifft. Der Hund wird damit zur Hauptfigur und zum Helden der Handlung. Die Szene, die an dressierte Tiere im Zirkus oder barbarische Gladiatorenkämpfe erinnert, mußte Goethes Prinzipien von Humanität im tiefsten widersprechen, weshalb er eine Aufführung des Stückes strikt ablehnte.



VIII,60 
WEIMARISCHER THEATERZETTEL: DER HUND DES AUBRI DE MONTDIDIER


Weimar, Montag, den 14. April 1817. Der Hund des Aubri de Mont-Didier oder: Der Wald bei Bondy, Historischromantisches Drama in drei Abtheilungen, aus dem Französischen übersetzt von Castelli, Musik vom Ritter von Seyfried.

Das Stück lieferte die endgültige Veranlassung zu Goethes Rücktritt. Obwohl er sich dagegen ausgesprochen hatte, setzte Frau von Heygendorff die Aufführung durch. Man nutzte Goethes Abwesenheit - er hielt sich gerade in Jena auf -, und der "Hund" erschien am 12. April 1817 auf der Bühne. Unmittelbar darauf erbat Goethe am folgenden Tag vom Herzog seine Entlassung, die ihm widerspruchslos gewährt wurde.

In der nachgoetheschen Epoche der Weimarer Bühne verlagerte sich das Schwergewicht mehr und mehr zum Musiktheater, begünstigt durch die Berufung Johann Nepomuk Hummels (1778-1837) zum Hofkapellmeister. Hummel zog viele berühmte Sänger und Virtuosen nach Weimar.


Bild vergrößern