Historia Von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer unnd Schwartzkünstler, Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine benandte zeit verschrieben, Was er hier zwischen für seltzame Abentheuwer gesehen, selbs angerichtet und getrieben, biß er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrertheils auß seinen eygenen hinderlassenen Schrifften, allen hochtragenden, fürwitzigen und Gottlosen Menschen zum schrecklichen Beyspiel, abscheuwlichen Exempel, und treuwhertziger Warnung zusammen gezogen, und in den Druck verfertiget. Jacobi IIII. Seyt Gott underthänig, widerstehst dem Teuffel, so fleuhet er von euch. Cum Gratia et Privilegio. Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, durch Johann Spies. MDLXXXVII.
Im Gegensatz zur früheren Auffassung, daß in diesem Buch die über Faust umlaufenden Sagen nur zusammengefaßt seien, wissen wir heute, daß es sich um den ersten bewußt gestalteten biographischen Roman in der langen Folge von Faust-Dichtungen handelt. Faust schließt den Pakt mit dem Teufel hier nicht mehr wie in der damals unter dem Volk verbreiteten Sage aus Eitelkeit und sinnlichen Gelüsten, sondern um seine Wißbegier zu stillen. Diese Wißbegier ist aber noch nicht mit "Forscherdrang" identisch, vielmehr hat sie den Charakter von "Fürwitz" und "Hoffart", die am Ende ihre Strafe finden, indem Faust vom Teufel geholt wird.
Vier Motive, die für die spätere Faustdichtung und vor allem für Goethes Faust charakteristisch wurden, erscheinen hier zum ersten Male: 1. der formelle Pakt mit dem Teufel; 2. Mephistopheles als Vertreter der Hölle; 3. die Gestalt des Wagner als Famulus; 4. die Erscheinung Helenas.