Kulturreport 2007

So viele Ausstellungen wie 2007 konnten wir unserem Publikum im Schloß Jägerhof noch nicht anbieten: es waren acht, vier davon Übernahmen. Im Frühjahr ließ sich, im Rahmen einer Ausstellung zu führenden deutschen Verlegern des 20. Jahrhunderts, die vom Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute (AsKI) erarbeitet worden ist, die Bedeutung Anton Kippenbergs und seines Insel-Verlags hinsichtlich der Qualität von Inhalt und Druckgestaltung darstellen. Das Puschkin-Museum in Moskau widmete sich einer Reihe von Russen, die Goethe in Weimar besucht haben, und dessen Leiter E. Bogatyrev unterstrich in einem begleitenden Essay die zentrale Rolle Goethes für die Entwicklung der russischen Literatur, von Puschkin selbst ausgehend. Zum zentralen Thema  der Religiosität führte schon die Totentanz-Ausstellung zur Jahreswende, wurde durch Vorträge vertieft und in der Weihnachtsausstellung  „Goethe und die Bibel“, die ins Jahr 2008 hinübergeführt hat, aufgenommen. Vor dem Horizont des aufklärerischen, schon einen programmatischen Atheismus produzierenden 18. Jahrhunderts wird dreischichtig Goethes Schöpferverständnis, seine synkretistische Einbettung des Christentums und sein bibelfester Protestantismus  entwickelt. Der Zusammenarbeit mit dem Malkasten verdankt sich eine Ausstellung, die um ein Porträt des Goethe-Freunds Fritz Jacobi herum gruppiert war und Fotos der gegenwärtigen Mitglieder der Künstlervereinigung mit Ölbildern des 19. Jahrhunderts gepaart hat. Der weißrussische Künstler Arlen Kaschkurewitsch stellte „Faust“-Illustrationen zur Verfügung, der Fachhochschulprofessor Wagner präsentierte mit einer Seminargruppe Modelle, die sieben moderne Alternativen zu einem Wiederaufbau des Marstalls mit den historischen Grupello-Giebeln visualisieren. Des preußischen Malers Philipp Hackert (1737-1807) wurde durch eine Ausstellung des zehnteiligen Gouachen-Zyklus’ der „Zehn Aussichten des Landhauses des Horaz“, ergänzt durch thematisch eng verbundene Zeichnungen, gedacht.

Das Goethe-Museum war zudem an zehn auswärtigen Ausstellungen beteiligt, unter denen die beiden Antikenpräsentationen im niederländischen Nijmegen (Herculaneum) und Hamburg (Paestum), europäischer Landschaftsszenen im süditalienischen Caserta und die Darstellung des Lebens der mit Goethe befreundeten Schriftstellerin bürgerlicher Emanzipation Sophie von La Roche (1730-1807), bei deren Eröffnung in Offenbach auch die Oberbürgermeister von Kaufbeuren und Speyer anwesend waren, hervorzuheben sind. Ca. 195.000 Besuche wurden in diesen Ausstellungen gezählt.

Gespeist wird diese Vermittlungsebene materiell aus den Schätzen der Sammlung Kippenberg, die wir mit wertvollen Stücken anreichern konnten. Im Bereich der bildenden Kunst sind fünf Tuschfederzeichnungen von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein mit italienischen Motiven besonders zu nennen; Illustrationen zum „Werther“ und zum „Faust“ von Nikolaus Lenau sowie ein Kupferstich, der Puschkin darstellt, gelten der Wirkungsgeschichte. Unter den Büchererwerbungen konnte die internationale Komponente durch Werke wie Thomas Holcrafts Übersetzung von „Hermann und Dorothea“ (1805) oder Gerard de Nervals Übersetzungen beider „Faust“-Teile verstärkt werden. Für Goethes Verständnis von Licht und Farbe war Kirchers „Ars magna lucis et umbrae“ (1646), für seine Gestaltung des „Torquato Tasso“ die Übersetzung von dessen „Erlöstem Jerusalem“ Diederich von dem Werden (1626) von Bedeutung. Sieben Briefe und ein Billet Goethes aus verschiedenen Lebensbereichen verstärkten die Autographensammlung ebenso wie ein eigenhändiges Zierblatt mit Versen der „Zahmen Xenien“.

Als Gipfelpunkt der Goethe-Landschaft muß die Wiedereröffnung des durch einen Brand schwer geschädigten historischen Gebäudes der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek durch den Bundespräsidenten am 24. Oktober gelten, an der Prof. Hansen als Stiftungsratsmiglied teilgenommen hat. Im niederösterreichischen Kremsmünster  war er an der Eröffnung des Goethe-Zentrums der Österreichischen Goethe-Gesellschaft beteiligt. Zum 25. Jahrestag der Gründung der Koreanischen Goethe-Gesellschaft hat er im März Vorträge an verschiedenen Universitäten in Seoul gehalten, im nationalen Rahmen vor Ortsvereinigungen der Goethe-Gesellschaft in Bergisch-Gladbach und Aachen gesprochen. In Düsseldorf war er an einem Kongreß im Ekô-Haus und bei der Eröffnung des Hafiz-Hauses, das die deutsch-persische Kulturbegegnung pflegt, beteiligt, hat im neu eröffneten katholischen Max-Haus im Rahmen einer Reihe zum philosophisch-literarischen Christentumsverständnis über Goethe gesprochen. Als Hochschullehrer war er im Februar in Moskau zu einer Vortragsreihe und Diskussionen eingeladen, war dort im Oktober mit einem Vortrag zu Puschkins produktiver Umsetzung von seiner Begegnung mit Goethes Werken am 50-Jahr-Jubiläum beteiligt. Als AsKI-Vorsitzender konnte er am 3. Mai in Rom, u. a. mit dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann, die erfolgreiche Etablierung des einzigen deutschen Museums im Ausland, der Casa die Goethe, vor zehn Jahren begehen.

Brechend voll, wie bei Albrecht Schöne, war der Vortragssaal unseres Hauses, als Frau Dr. Spies über die „Briefliteratur“ der Annette von Droste-Hülshoff gesprochen hat. Ihre Erfahrungen als Vortragende setzte sie wieder für zahlreiche Ortsvereinigungen der Goethe-Gesellschaft (u. a. Jena, Leipzig, Marl, Gunzenhausen, Hannover) ein, auch in Moskau mit einem Porträt der Zarentochter Maria Pawlowna, die den Weimarer Thronfolger geheiratet hat. Sie ergänzte diese Außenwerbung durch Lesungen, die Übernahme von Führungen, durch die Tätigkeit als Vorsitzende der Düsseldorfer Theatergemeinde, für die sie einen vielbeachteten, in einer Publikation dokumentiertem Festakt am 29. September organisierte. Sie hat fünf Praktikanten betreut, hat 23 Seminarstunden im Haus abgehalten.

Die Bibliothekarin des Hauses, Frau Zeller, wurde vom Verband Rheinischer Museen, dem sie als Vorstandsmitglied und danach als stellvertretende Vorsitzende angehört hat, am 15. Oktober zur Vorsitzenden gewählt.

Zum ersten Mal hat das Goethe-Museum eine mehrtägige Exkursion angeboten und dafür eine geologische Exkursion ins Fichtelgebirge für 50 Teilnehmer gewählt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Schirmer verbanden sich, Goethes Untersuchungen zu Gneis und Granit nachvollziehend, konkrete Arbeit an Gesteinen und seminarähnliche Informationsstunden.

Des Todestags von Goethe, des 22. März, gedachte das Goethe-Museum in einer von Prof. Hansen und Dr. Spies gestalteten Mitternachtslesung. Dokumente und Berichte zu den letzten Stunden Goethes sowie Schilderungen der Trauerfeierlichkeiten, die Tausende von Menschen mobilisierten, setzten einen würdigen Akzent.

Die Medienresonanz war mit 110 mit dem Museum verbundenen Themen sehr erfreulich. Die wirksamste Aktion war die Vermessung der 1807 von Weißer angefertigten Lebendmaske des Gesichts von Goethe, die zur Grundlage einer 1807/1808 angefertigten Büste geworden ist. Das gewählte Verfahren, die Messung mit modernsten medizinischen Gerät vorzunehmen (Computertomogramm), wird in der Zwischenzeit von anderen übernommen. Wissenschaftlich konnte danach erwiesen werden, daß die späteren Büsten, auch die von Schadow und Rauch, auf dieser einzigen Abnahme einer Lebendmaske beruhen.

Die Anzahl der Internet-Zugriffe (www.goethe-museum.com) beläuft sich im Jahr 2007 auf 310.948 eindeutige Besuche bei 644.239 erfolgreich aufgerufenen Seiten aus 83 nachweisbaren Ländern.

                    Dr. Heike Spies                                Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Volkmar Hansen

                      Vorstand der                                                     Vorstand der

Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung     Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung