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Kulturreport 2008 Die Weihnachtsausstellung „Goethe und die Bibel“ führte in das Jahr 2008 hinüber, in dem wir zwei neue Ausstellungen, jeweils von einem Essay begleitet, erarbeitet haben. Im Frühjahr wurde „Goethe als Jurist“ gewürdigt, seine Herkunft aus einer Juristenfamilie, das Scheitern als Student in Leipzig (1765-68), der erfolgreiche Magisterabschluß in Straßburg (1770/71), die 56 Jahre als Beamter im Dienst des (Groß-)Herzogtums Sachsen-Weimar dargestellt. Besondere Akzente setzte die Zeit beim Reichskammergericht in Wetzlar 1772, die die emotionale Grundlage des „Werther“ wurde, setzten die Begründung des Ilmenauer Bergbaus und 1825 die Etablierung des Urheberrechtsschutzes im gesamten Deutschen Bund. „Carl Friedrich Zelter zum 250. Geburtstag“ der Erinnerung an den bedeutenden Musiker galt die Winterausstellung, die den Goethe-Freund als Komponisten von Gedichtvertonungen, als Begründer der Berliner Musikakademie, als Lehrer und Vermittler des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy, als kraftvollen Briefschreiber ganz aus eigenen Beständen zusammengestellt präsentierte. Drei weitere Ausstellungen haben in unserem Rokoko-Schlößchen die mediterrane Internationalität Goethes unterstrichen. Im Frühsommer wurde eine Ausstellung zur preußischen Prinzessin Stefanie von Hohenzollern-Sigmaringen gezeigt, die im Schloß Jägerhof aufgewachsen ist und 1858 den portugiesischen König Pedro V ehelichte. Das Andenken an diese wohltätige, jung gestorbene Königin ist in Lissabon bis heute lebendig, denn ein großes Stadtviertel, in dessen Mittelpunkt ein nach ihr benannter Krankenhauskomplex steht, trägt ihren Namen. Eine Düsseldorfer Delegation konnte unter Leitung der Landtagspräsidentin Regina van Dinther eine Bronzebüste in den früheren Wohnräumen Stefanies im Außenministerium einweihen, konnte zudem eine wertvolle Faksimile-Ausgabe von Werken der Düsseldorfer Malerschule überreichen, die die junge Frau bei der Seefahrt in das fremde Land begleitet hat. Auf der Gartenseite von Schloß Jägerhof erinnert jetzt eine Plakette von Christian Heinrich Wiehe an den „Engel der Armen“, der schon durch eine Büste im Hofgarten geehrt worden ist. Zu Goethes Geburtstag, dem 28. August, konnte eine Foto-Ausstellung eröffnet werden, in der Maria Efthymiou „Goethes griechischen Traum“ in der Verbindung von Frauenschönheit und antiker Tempellandschaft nachzeichnete. Als eine Wiederentdeckung muß die Begegnung mit dem preußischen Künstler Franz Ludwig Catel früh ein Illustrator von Werken Goethes gewertet werden, der in Rom zu dem bedeutendsten deutsch-italienischen Mittler der Biedermeierzeit aufgestiegen ist. Gespeist war diese Gemäldeausstellung durch die Catel-Stiftung Rom, die dank des nachgelassenen Vermögens bis zur Gegenwart ihren sozialen Auftrag der Künstlerunterstützung erfüllen kann. Ergänzt wurde die Ausstellung durch Exponate aus Düsseldorfer Privatbesitz. Studenten der Fachhochschule für Schmuckdesign hatten und damit sind wir bei der vierten Kleinausstellung für ein Wochenende einen Raum in Gretchens Zimmer verwandelt, den „Faust“-Versen folgend: „Was hilft euch Schönheit, junges Blut? /Das ist wohl alles schön und gut, /Allein man läßt’s auch alles sein; /Man lobt euch halb mit Erbarmen./ Nach Golde drängt, /Am Golde hängt /Doch alles. Ach wir Armen!“ Ein entzückend-vielfältiges Arrangement wurde daraus. An dieses Thema konnte die Verleihung des international ausgeschriebenen Friedrich-Becker-Preises der Gesellschaft für Goldschmiedekunst anschließen, der 2008 an den Australier Robert Baines ging. Unter den auswärtigen Ausstellungen sind zwei zu nennen, deren Konzeption und Materialität auf das GMD zurückgehen. In der Stadtsparkasse Essen konnte, in Verbindung mit dem dortigen Zweig der internationalen Goethe-Gesellschaft, „Teufelskerl Faust“ 200 Jahre nach dem Erscheinen der Erstausgabe von „Faust I“ vorgestellt werden, in der Bibliothek der Fernuniversität Hagen eine Ausstellung zu Wilhelm Heinse, dem Verfasser des Künstler-, Renaissance- und Italienromans „Ardinghello“ (1787). Heinse ist der bedeutendste Schriftsteller im Umkreis der Jacobis, der die wichtigsten Phasen seines Lebens in Düsseldorf verbracht hat. Mit Einzelstücken beteiligt waren wir an insgesamt 13 weiteren Ausstellungen, von denen die nachgeholten Hackert-Landschaften in Weimar und Hamburg, die italienische Komponente der archäologischen Ausgrabungen in Münster und Berlin, das doppelte Frauen-Porträt der Künstlerin Luise Seidler in Fürstenfeldbruck, Exponate zu Johann Nepomuk Hummel im Haydn-Haus in Eisenstadt/Burgenland, die Kasseler Aufarbeitung der Geschichte des Königreichs Westphalen unter Jérôme Bonaparte, schließlich „Künstler der Akademie und Albrecht Dürer“ in Düsseldorf zu nennen sind. Den Stiftungsauftrag der Ergänzung und Erweiterung der Sammlung konnten wir in diesem Jahr erneut durch die stete Unterstützung des 1956 gegründeten Freundeskreises und der Stadtsparkasse Düsseldorf verwirklichen. Ein Brief Schillers an Goethe, der vor Jahrzehnten im Besitz Anton Kippenbergs war, konnte rückerworben werden; hinzugekommen sind auch sieben Briefe Goethes. Der Nachlaß des Komponisten und Goethe-Vertoners, des europäischen Klaviervirtuosen und Weimarer Kapellmeisters Johann Nepomuk Hummel, wurde mit sieben Briefen an Louis Spohr angereichert. Unter den Büchern ist Pietro della Valles „Eines vornehmen Römischen Patritii ReißBeschreibung in unterschiedliche Theile der Welt, Nemlich in Türkey, Egypten, Palestina, Persien, Ost-Indien“ (Genf 1674) hervorzuheben, die Goethe ausgiebig für die Kommentierung der Gedichte des „West-östlichen Divan“ herangezogen hat. Gedichte daraus, deren Übersetzung an ins Koreanische korrigierten Druckfahnen abzulesen ist, sind nun als kollegiales Geschenk durch das fertige Buch und die Vorstufe greifbar. Die deutsche Erstausgabe von M. Bulgakows „Faust“-Adaption „Der Meister und Margarita“ war ein weiterer Zugewinn. Ein Vortrag von Prof. Hansen zu Goethes Gretchen-Gestalt im Nahe-Gebiet um Idar-Oberstein, in der Verbandsgemeinde Herrstein, wurde mit einem Goethit-Exemplar für unsere Mineraliensammlung belohnt. Das Jahr setzte wissenschaftlich zum 31. Januar mit dem internationalen Kongreß „Schuberts Jugendhorizonte“ und, in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität, im Februar mit einem Mexikanisten-Kongreß ein, der sich dem Problem der europäischen Sprachen als Weltkommunikation stellte. Der Höhepunkt der Vortragsreihe des GMD war Frederick Burwicks (Los Angeles) Entdeckung, daß die erste englische „Faust“-Übersetzung von dem Romantiker Samuel Taylor Coleridge stammt. Ausgangspunkt ist eine briefliche Äußerung Goethes gegenüber seinem Sohn, die handschriftlich im GMD vorhanden ist. Selbstverständlich wird unser Haus zur Aufklärung unbekannter Zusammenhänge durch schriftliche Anfragen oder Interviews genutzt. So konnte, anhand einer Notiz von Goethes Helfer Friedrich Wilhelm Riemer, geklärt werden, daß Goethe im Sächsischen am 28. September 1810 die Spinnerei Bernhard in Harthau besucht hat, konnte aufgeklärt werden, daß es sich bei einem Fund im Nachlaß von Hans Carossa in Passau nicht um eine Goethe-Handschrift handelt, sondern um ein Faksimile unseres Hauses, konnte die groteske These zurückgewiesen werden, Goethe habe in einem Liebesverhältnis zur Herzogin Anna Amalia gestanden. Prof. Hansen und Frau Dr. Spies haben, neben zahlreichen Lehrveranstaltungen, Goethe innerhalb und außerhalb der Stadt wissenschaftlich behandelt, z. B. während der Kulturtage der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/M. Regional hat der Verband Rheinischer Museen durch seine Jahrestagung, die von Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff eröffnet wurde, im GMD den Schwerpunkt gebildet. Städtisch unterstützten wir die so erfolgreiche Bewerbung Düsseldorfs für die europäische „Entente Florale“ sowie die „Nacht der Museen“ mit einem „Faust“- und Romantik-Schwerpunkt. Wegen der Renovierung der Johanneskirche konnten zwei Peregrinatio-Gottesdienste ins GMD ausweichen, schließlich das interkonfessionelle „Erste Düsseldorfer Religionsgespräch“ stattfinden. Die Düsseldorfer Sektion von Amnesty International war im Vorfeld der Olympiade um eine Standortbestimmung „Who is China?“ durch eine Podiumsdiskussion bemüht. Natürlich durften die „Alde Düsseldorfer“ mit ihrem Jahresempfang nicht fehlen, und ihr Baas Heinrich Spohr gab zudem durch sein Buch „Das Düsseldorfer Rheinisch“ der Benrather Linie, der Trennlinie zwischen Hoch- und Niederdeutsch, Farbe. Eine in Düsseldorf lebende Japanerin, die Meisterin Mayumi Toya, führte als Ferienprogramm interaktiv Origami, Kraniche der Papierfaltkunst aus einem Stück, vor. Die museumspädagogische Arbeit konnte intensiviert werden, seit Dr. Silke Hoffmann dieses Amt übernommen hat und im Herbst mit dem Hexen-Einmal-Eins aus dem „Faust“ Schüler in den Bann zog. Lesungen bereicherten das Programm wie Durga Hoff-Ortsteins Roman „Im Netz des Karma“, Sigrid Damms Prosa-Erkundung „Goethes letzte Reise“, Letizia Mancino-Cremers lyrisches Porträt von Hilde Domin, schließlich Durs Grünbeins lyrische Japan-Begegnung „Lob des Taifuns“. Zufrieden sind wir mit der Medienresonanz, bei der wir erneut mit 110 Themen in Fernsehen, Rundfunk und Presse vertreten waren. Die größte Überraschung: Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse waren als Titelbild der „Welt“ die von Karl Gottlob Weißer abgenommene Lebendmaske Goethes und dessen daraus entwickelte Büste aus unserem Haus (1807/08) abgebildet Resultat einer Buchvorstellung von Prof. Michael Hertl. Erneut signalisiert die Zahl der eindeutigen Besuche von mehr als einer halben Minute im Internet (www.goethe-museum.com) ein großes Interesse an unserem Haus: 240.383 Besuche; es wurden 689.997 Seiten aus 91 nachweisbaren Ländern aufgerufen. Es ist die Weltenvielfalt zu Gast, von der der indische Kollege Anil Bhatti in seinem Vortrag zum „West-östlichen Divan“ gesprochen hat. |
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Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Volkmar Hansen Direktor des Goethe-Museums |
Dr. Heike Spies Vorstand der Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung |