Vorwort

In das Zentrum der Werke Philipp Hackerts, die sich im Besitz des Goethe-Museums Düsseldorf befinden, gehört die 1780 entstandene Folge der “Zehn Aussichten von dem Landhause des Horaz”. Als Eigentum und Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland konnte der Zyklus 1982 erworben und im Frühjahr 1983 erstmals ausgestellt werden. “Philipp Hackert in Privatsammlungen” lautete der Titel einer Ausstellung 1994, die dessen Landschaftsverständnis gewidmet war. Dr. Claudia Nordhoff (Rom), die beste Kennerin seines Werks, hat sie eröffnet. 1995 ist der Restnachlaß hinzugekommen. Alle drei Ausstellungen haben zu einer Art Wiederentdeckung dieses bedeutendsten Veduten-Malers der Goethezeit beigetragen. Spätere Ausstellungen, an Orten wie Rom oder Caserta, ließen sich mit Exponaten realisieren, die aus unserem Haus gekommen sind. Dieses Sammlungsgebiet ist ein Aushängeschild, auf das viele Häuser gerne zurückgreifen, zuletzt in der so erfolgreich, über mehrere Stationen im In- und Ausland gezeigten Ausstellung “Die letzten Tage von Herculaneum”. Der unsentimentale, noch nicht biedermeierlich-anekdotische Zugang zur Landschaft gehört zu der nicht nachlassenden Anziehungskraft dieser Gemälde.

Zu den Wünschen, mit denen wir wiederholt von Besuchern in den letzten Jahren konfrontiert worden sind, zählt die Nachfrage nach einer Abbildung des vollständigen Gouachen-Zyklus’, von dem Goethe noch annehmen mußte, er sei bei einem Schiffsunglück untergegangen. Im Format von 33 x 44 cm stellt er die Umgebung des Landhauses dar, betrachtet die reizvollen Sabinerberge bei Rom von wechselnden Standorten aus. Die “Aussichten”, wie der damals moderne, erst im 18. Jahrhundert gebräuchlich werdende Begriff für “Prospekt” lautet, lassen den Aufstieg von Wanderern als Raum von Ursprünglichkeit und Kultivierung anschaulich werden. Die antike Tiefendimension, erschlossen durch den Eröffnungsvortrag “Villa als Lebensform. Horaz und ‘Das Landhaus des Horaz’” von Prof. Dr. Gregor Vogt-Spira (Marburg), kommt in der Suche nach dem Mons Lucretilis, dem heutigen Collo Rotondo (ab Tafel 7) zum Ausdruck. Hackert zeichnet den Weg von Tivoli über das im Aniene-Tal gelegene Vicovaro, den Konvent von San Cosimato, Cantalupo/Mandela nach, folgt dem Tal der Licenza (der antiken Digentia) mit Roccagiovine und Licenza bis zu dem Berghang, an dem das nur in seinen Grundmauern erhaltene Landhaus des Quintus Horatius Flaccus (65-8 v. Chr.) liegt - ein Geschenk des Maecenas an den jungen Dichter, der gerade den ersten Band der “Satiren” veröffentlicht hat.

Die Ausstellung ehrt einen Künstler, der am 15. September 1737 in der preußischen Ueckermark geboren worden und bis zu seinem Tod im April 1807 bei Florenz ins Weltbewußtsein hingewachsen ist.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Volkmar Hansen
Direktor des Goethe-Museums
Vorstand der Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung

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