Der Arbeitskreis selbstständiger Kultur-lnstitute e.V. - AsKI ist ein Zusammenschluss von derzeit 36 bedeutenden selbstständigen Museen und Kultureinrichtungen mit gesamtstaatlicher Bedeutung, die in besonderem Maße die kulturelle Vielfalt in Deutschland repräsentieren. Mit seinen Ausstellungen,Veranstaltungen und Veröffentlichungen sowie der Verleihung des Maecenas-Preises will der AsKI die Aufmerksamkeit und das Verständnis der Öffentlichkeit für Kunst und Kultur fördern und auf die Bedeutung privater Kulturförderung hinweisen. Der Verleger als Motor und Mäzen, Freund und Kritiker,Visionär und Geschäftsmann mit seiner großen Passion zum Medium Buch steht im Mittelpunkt der Jahresausstellung des AsKI. In dieser Ausstellung sollen einige bedeutende Verleger des 20. Jahrhunderts in ihren Beziehungen zu den von ihnen verlegten Autoren, Musikern und bildenden Künstlern gezeigt werden. Berücksichtigt wurden Verleger, die nachhaltigen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung in Deutschland genommen haben und in besonderem Kontakt zu Künstlern standen, die mit den hier präsentierten, im AsKI vertretenen Einrichtungen verbunden sind.


Samuel Fischer/ Gottfried Bermann Fischer und Thomas Mann

Samuel Fischer (1859-1934) gründete 1886 den S. Fischer Verlag, der sich bald zu einem Forum für zeitgenössische Literatur entwickelte. 1897 publizierte Fischer die Novelle »Der kleine Herr Friedemann« des bis dahin noch unbekannten Thomas Mann (1875-1955). Auf Fischers Anregung begann dieser im gleichen Jahr mit seinem Roman »Buddenbrooks. Verfall einer Familie«, der 1901 erschien, aber erst in der einbandigen »Volksausgabe« von 1903 zu einem Verkaufs- und danach Welterfolg wurde und seinem Verfasser 1929 den Literaturnobelpreis einbrachte.

Selten sind Biografie und Werk eines Künstlers so eng verbunden mit dem Werdegang eines Verlags: Das gesamte Œuvre von Thomas Mann erscheint beim S. Fischer Verlag, zunächst unter der Agide von Samuel Fischer und nach dessen Tod unter der Leitung von Fischers Schwiegersohn Gottfried Bermann Fischer (1897-1995), der ab 1934 die Verlagsgeschäfte übernommen hatte. Unter den Nationalsozialisten gerieten der Verlag und sein Autor zunehmend unter Druck, obwohl sich beide zunächst nicht öffentlich distanzierten. 1936 wurde der Verlag geteilt: Bermann Fischer ging ins Exil nach Wien, gründete dort den Bermann-Fischer Verlag, dann nach Stockholm und New York. Trotz widriger Umstände hielten sich Autor und Verleger - beide im Exil - gegenseitig die Treue.

Seit 1950 hat der S. Fischer Verlag seinen Sitz in Frankfurt am Main, 1954 erschien dort der letzte Roman von Thomas Mann, »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« .


Henri Hinrichsen und Max Reger

Henri Hinrichsen (1868-1942) war seit 1900 Alleininhaber des seit 1814 als C. F. Peters firmierenden Leipziger Musikverlags. Unter seiner Leitung florierte das Unternehmen: Renommierte Autoren wurden gewonnen, die Klassikerreihe ergänzt.

Hinrichsen war ein großzügiger Förderer des Leipziger Kulturlebens. Seine Stiftungen reichen von der Musikbibliothek Peters (der heutigen Musikbibliothek Leipzig, 1901) über die erste deutsche Hochschule für Frauen (1911) bis hin zum Leipziger Musikinstrumentenmuseum (1926), sowie Stipendien für Musiker und Komponisten u.v.a. Die jüdische Familie entging nicht der Verfolgung durch die Nationalsozialisten: 1938 erfolgte das Berufsverbot, 1939 die »Arisierung« des Verlags. Hinrichsen wurde auf der Flucht in Belgien verhaftet und 1942 im Konzentrationslager Birkenau ermordet.

Von wechselseitigem Respekt geprägt war die Beziehung zwischen Max Reger (1873-1916) und Henri Hinrichsen, in dessen Verlag seit 1901 eine repräsentative Auswahl des Œuvres erschien: Orgelstücke, Kammermusik und monumentale Chor- und Orchesterwerke, darunter das Violinkonzert, der 100. Psalm-und der Symphonische Prolog zu einer Tragödie, sowie zahlreiche Bearbeitungen klassischer Werke. Im Dezember 1906 machte Hinrichsen Reger ein großzügiges Angebot: »Wenn Sie (...) sich verpflichten können, vom 1. April 1907 - 31. März 1908 höchstens zehn Konzerte zu geben, so wäre ich bereit, Ihnen einen Betrag von zehntausend Mark anzuweisen«. Dieses Angebot schuf die Basis einer Freundschaft, von derzahlreiche Manuskriptschenkungen zeugen.

Anton Kippenberg und Johann Wolfgang von Goethe

»Denn die Gesinnung, die beständige / Sie macht allein den Menschen dauerhaft« - diese Goethe-Verse passen auf die Gestalt Anton Kippenbergs, der in einzigartiger Weise eine erfolgreiche Tätigkeit als Verleger mit der eines Goethe-Sammlers und sogar -Forschers verbunden hat. Geboren 1874 in Bremen, absolvierte Kippenberg eine Buchhandelslehre. Neben der Ausübung seines Berufs promovierte er in Leipzig und übernahm ab 1905 schrittweise den Insel-Verlag. Mit der Orientierung an Goethe (»Einen Einzigenverehren«) ,dem qualitativ wertvollen Buch (vorbildliche Buchgestaltung und wissenschaftlich hervorragende Editionen) und der Herausgabe von Werken zeitgenössischer Autoren wie Stefan Zweig, Hofmannsthal und Rilke wurde er zu einer der prägenden Verlegergestalten des 20. Jahrhunderts. Im Zweiten Weltkrieg gelang es ihm seine herausragende Goethe-Sammlung vor der Vernichtung zu retten.

Siegfried Unseld, der den Insel-Verlag übernommen hat, wusste die Goethe-Tradition durch anspruchsvolle Publikationen fortzuführen.

Kippenbergs Name lebt in der 1953 begründeten Stiftung weiter, die das Goethe-Museum Düsseldorf trägt. In seiner Goethe-Biografie beschreibt Richard Friedenthal Kippenberg, der 1950 in Luzern starb, als den »größten und leidenschaftlichsten Goethe-Kenner«.

Willy Wiegand / Ludwig Wolde und die »Bremer Presse«

Willy Wiegand (1884-1961) und Ludwig Wolde (1884-1949), beide in Bremen geboren und Doktoren der Rechte, gründeten 1911 gemeinsam die »Bremer Presse«.Wahrend Wiegand die technische Leitung übernahm und sich um wirtschaftliche Fragen kümmerte, übernahm Wolde das literarische Programm,das bedeutende Werke der Weltliteratur von der Antike über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit umfassen sollte. Die Textauswahl wurde in enger Zusammenarbeit mit den Schriftstellern Hugo von Hofmannsthal, Rudolf Borchardt und dem Bremer Literaten, Architekten und Künstler Rudolf Alexander Schröder getroffen, die sich 1913 der »Bremer Presse« anschlossen. Ihren ganz persönlichen literarischen und typografischen Interessen folgend, beabsichtigten die Verleger, durch die Gestaltung neuer Schriften mit vollkommenem Satz und Druck das Niveau des deutschen Buchdrucks zu heben. Es erschienen elitäre Handdrucke in niedriger Auflage, mit der größter Sorgfalt und den besten Materialien hergestellt.

1919 zog die »Bremer Presse« zunächst in das ehemalige Haus von Thomas Mann nach Bad Tölz, 1922 dann nach München. Dort gründeten Wiegand und Hofmannsthal - neben der bestehenden »Bremer Presse« - den »Verlag der Bremer Presse«, um mit preiswerten Drucken ein breiteres Publikum anzusprechen. Dennoch gelang es nicht, auf Dauer wirtschaftlich zu bestehen: 1939 löste sich die »Bremer Presse« endgültig auf.

Wieland Herzfelde und Bertolt Brecht/George Grosz

Wieland Herzfelde (1896-1988) gründete 1924 in Berlin den Malik-Verlag, in dem bis 1932 mehr als 300 literarische, politische und künstlerische Werke erschienen, darunter das gesamte Frühwerk von George Grosz (1893-1959). Dieser wurde 1928 gemeinsam mit Herzfelde wegen Gotteslästerung angeklagt: In einer Reihe von Zeichnungen zur Aufführung des »Schweijk« an der Piscatorbühne hatte er den Gekreuzigten mit einer Gasmaske dargestellt.

Bereits wahrend seines Exils in Prag, wo er seinen Verlag von 1933-1938 weiterfuhren konnte, korrespondierte Herzfelde mit Bertolt Brecht (1898-1956) wegen der Veröffentlichung von »Furcht und Elend des Dritten Reiches«.Sie erfolgte 1938 im Malik-Verlag in London, wohin der Verleger über die Schweiz und Frankreich geflohen war. Fine überarbeitete Fassung erschien dann in dem zusammen mit zehn anderen Autoren 1944 gegründeten Exilverlag »Aurora« in New York, einer weiteren Station des Exils. Sowohl mit Brecht als auch mit Grosz stand Herzfelde während seiner gesamten Exilzeit in freundschaftlichem Briefwechsel.

1949 konnte Wieland Herzfelde in Leipzig eine Professur übernehmen. Obwohl Brecht ihn zu überreden suchte, den vom Aufbau-Verlag abgetrennten Buhnen-Verlag zu leiten, übernahm er bis zu seinem Tod kerne verlegerischen Aufgaben mehr.

Klaus Piper und Stefan Andres

Stefan Andres (1906-1970) hat die Beziehung zwischen Verleger und Autor ironisch im Bild der Ehe beschrieben und sich selbst dabei den weiblichen Part zugeteilt. Das Verhältnis zu seinem Verleger ist dadurch in mehreren Facetten erfasst: Gemeinsamkeit, Eros und Kampf.

1948 konnte der Piper-Verlag, der nach dem Krieg auf der Suche nach neuen Autoren war, Stefan Andres für sich gewinnen. Aus der Autor-Verleger-Beziehung entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft zu Klaus Piper (1911-2000). Andres zahlte in den Fünfzigerjahren zu den meistgelesenen Autoren der Bundesrepublik. Trotz des großen Erfolgs kam es in der Zusammenarbeit immer wieder zu Konflikten, denn der Autor leistete sich gelegentlich »Seitensprunge« und veröffentlichte in anderen Verlagen. Dennoch meisterten beide die krisenhaften Situationen, auch als Andres' Popularität in den sechziger Jahren nachließ. Die Verbindung zwischen Andres und Piper wahrte bis zum Tod des Autors.

Carl Hanser/Michael Krüger und die Zeitschrift »Akzente«

Carl Hanser (1901-1985) gründete 1928 den gleichnamigen und bis heute Konzern unabhängigen Verlag als technischen Fachverlag und Literaturverlag. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die belletristische Produktion unterbrochen .ln den Nachkriegsjahren erinnerte sich Hanser seines alten Plans einer literarischen Zeitschrift, die die Bindung zeitgenossischer Autoren an seinen Verlag festigen sollte. Der Hanser-Autor Georg Britting ebnete Walter Höllerer (1922-2003) den Weg in den Verlag; Höllerers eigene Plane für eine literarische Zeitschrift wirkten wie eine Initialzündung für die Modernisierung des literarischen Programms. Gemeinsam mit Hans Bender (*1919) gab Höllerer die »Akzente« heraus,deren erstes Heft im Carl Hanser Verlag 1954 erschien. In der Korrespondenz mit Hanser setzte er sich hartnackig und oft kompromisslos für seine Idee eines zeitgemäßen Forums für junge,auch ausländische Autoren ein, während der Verleger auch die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens im Auge behalten musste. Dennoch blieb Carl Hanser stets ein souveräner Partner der beiden Herausgeber.

Die »Akzente« erscheinen bis auf den heutigen Tag im Carl Hanser Verlag, was nicht zuletzt ein Verdienst von Michael Krüger (*1943) ist, seit 1981 alleiniger Herausgeber der Zeitschrift. Krüger -erfolgreicher, der Poesie sehr gewogener Schriftsteller und Verleger in »Personalunion« - kam 1968 als Verlagslektor zum Hanser Verlag, übernahm 1986 die literarische Leitung und ist seit 1995 geschäftsführender Gesellschafter des Carl Hanser Verlags.

Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


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