Goethe war sein Leben

Am 11. Dezember hat überraschend das Leben von Prof. Jörn Göres, dem langjährigen Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf, ein Ende gefunden. Ein sanfter Tod schloß in Stuttgart Jahre des zunehmenden Erinnerungs-, selbst Sprachverlusts ab. Er wird am 15. Dezember auf dem Friedhof Ostfildern im Familienkreis beigesetzt.

Göres wurde am 4. August 1931 als Sohn eines deutschen Tabakfarmers in Bangkattan auf Sumatra geboren, studierte zunächst in Bonn Germanistik, Philosophie und Geschichte, wurde in Heidelberg 1957 mit einer Arbeit über „Das Verhältnis von Historie und Poesie in der Erzählkunst Achim von Arnims“ promoviert. Seit 1958 Kustos am Goethe-Museum, wurde er 1966 dessen Direktor und Vorstand der Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung. Unter seiner Leitung wurde u.a. Goethes Handschrift des „Gingko biloba“-Gedichts erworben, konnte 1987 vom Hofgärtnerhaus ins Schloß Jägerhof umgezogen werden. Zu seiner regen wissenschaftlichen Tätigkeit zählten u.a. ein Abriß der deutschen Literaturgeschichte, eine Chronik zu Goethes Leben, die Darstellung von Goethes Italien-Begegnung in Ausstellung und Katalog, Untersuchungen zu dessen Verhältnis zur Topik, zu Düsseldorfer Künstlern und dessen Darstellungen im Bild. „Werther“ galt sein besonderes Interesse. 1981 ehrte ihn die Universität Düsseldorf mit dem Titel des Professors. Lange gehörte er dem Vorstand der internationalen „Goethe-Gesellschaft in Weimar“ an, die er in den Jahren der Wiedervereinigung ab 1989 als Präsident geleitet hat. Er hat, bis zur Amtsübergabe im Februar 1993, seine Arbeitskraft in den Dienst Goethes gestellt. Viele Menschen werden mit uns seiner schlanken, nachdenklichen Gelehrtengestalt ehrend gedenken.

Volkmar Hansen