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Jörn Göres zum Andenken |
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Zu den Gesprächsäußerungen gegenüber Frédéric Soret, die uns Eckermann überliefert hat, zählt Goethes Reaktion auf den Tod der Großherzogin Luise vom 15. Februar 1830: "Der Tod ist doch etwas so Seltsames, daß man ihn, unerachtet aller Erfahrung, bei einem uns teuren Gegenstande nicht für möglich hält und er immer als etwas Unglaubliches und Unerwartetes eintritt. Er ist gewissermaßen eine Unmöglichkeit, die plötzlich zur Wirklichkeit wird. Und dieser Übergang aus einer uns bekannten Existenz in eine andere, von der wir auch gar nicht wissen, ist etwas so Gewaltsames, daß es für die Zurückbleibenden nicht ohne die tiefste Erschütterung abgeht". Wir haben Jörn Göres verloren, der in den Abendstunden des 11. Dezember 2004 in Stuttgart sanft entschlafen ist. In den letzten Jahren überschattet von Erinnerungs-, selbst Sprachverlust, lag seine Pflege in den fürsorglichen Händen seiner Frau Ingrid, die der Traueranzeige ein "Goethe war sein Leben" vorangestellt hat. Sohn des österreichischen Berufsoffiziers Heinrich Göres, der nach 1918 in niederländischen Diensten Tabakpflanzer auf Sumatra wurde, wurde Jörn Göres am 4. August 1931 in Bangkattan geboren. Die aus Schmalkalden stammende Mutter Marieluise mußte aus Gesundheitsgründen schon 1932 mit beiden Kindern nach Deutschland zurückkehren. Er erlebte unruhige Kinder- und Grundschuljahre in Hermannsburg, einem Dorf in der Lüneburger Heide, Hannover, Altenau im Oberharz, Hamburg und Mittenwald. Ruhiger wurde es 1943 nach der Aufnahme in das zunächst private, dann verstaatlichte Landschulheim Marquartstein in Oberbayern, einem naturwissenschaftlichen Gymnasium mit großem Latinum. Nach dem Zusammenbruch 1945 wieder in Hermannsburg, folgte 1947 die Aufnahme in das Pädagogium Bad Godesberg, dann bis zum Juni 1951 mit dem Abitur erneut Marquartstein. Die beiden Anfangssemester studierte er in Bonn bei dem Germanisten Günther Müller, dem Historiker Max Braubach, dem Philosophen Erich Rothacker, dessen Empfehlung für die Studienstiftung ein Studium in Heidelberg ermöglichte. In der Philosophie bei Hans-Georg Gadamer und Karl Löwith hörend, in der älteren Germanistik bei Richard Kienast, prägte ihn die formgeschichtliche Methode Paul Böckmanns. Als Doktorvater drängte er ihn zu der Dissertation `Das Verhältnis von Historie und Poesie in der Erzählkunst Ludwig Achim von ArnimsA, für die er, auf Einladung der Goethe-Gesellschaft, in Weimar den Nachlaß auswerten konnte. Er wurde im Frühjahr 1957 promoviert, holte im Herbst das Staatsexamen nach, um in den wissenschaftlichen Bibliotheksdienst eintreten zu können. Eine Bewerbung beim Goethe-Museum Düsseldorf als Kustos war erfolgreich, sodaß er am 10. März 1958 als Kustos den Dienst antreten konnte, nach dem Tode Hellmuth von Maltzahns am 13. Oktober 1966 als Direktor berufen wurde. Er hat dieses Amt bis 1992 ausgeübt, entwickelte systematische museologische Betrachtungen zu Sammelprinzipien, Ankaufs- und Konservierungsmethoden, zur Präsentation von Literatur in Ausstellungen. Der Literatur-Abteilung des International Council of Museums (ICLM) gehörte er seit 1978 in verschiedenen Vorstandsfunktionen an, von 1970-1992 dem Beirat der Hölderlin-Gesellschaft. Er war Präsident der Gesellschaft der Bibliophilen, erhielt 1987 die Johann Heinrich Merck-Medaille, 1989 die Goethe-Medaille der Hamburger F.V.S. Zu seiner regen wissenschaftlichen Tätigkeit zählten u.a. ein Abriß der deutschen Literaturgeschichte, eine Chronik zu Goethes Leben, die Darstellung von Goethes Italien-Begegnung in Ausstellung und Katalog, Untersuchungen über dessen Verhältnis zur Topik, zu Düsseldorfer Künstlern und Goethe-Darstellungen durch Zeitgenossen im Bild. "Werther" galt sein besonderes Interesse. 1981 ehrte ihn die Universität Düsseldorf mit dem Titel des Professors. Ohne Illusionen über den totalitären Charakter der SBZ/DDR, gehörte er dem Vorstand unserer internationalen Goethe-Gesellschaft an, war seit 1974 ihr Vizepräsident, die er als integre Gestalt in den Jahren der Wiedervereinigung ab 1989 als Präsident geleitet hat. Verkannt hat er den Grad der Durchdringung mit Spitzeltätigkeit, verkannt den Mißbrauch von West-Geldern für Staats- und Parteizwecke. 1990 konnte er die deutschen Ortsvorsitzenden der Goethe-Gesellschaft aus Ost und West zum ersten gemeinsamen Arbeitstreffen in Düsseldorf zusammenführen. 1995 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Goethe-Gesellschaft verliehen. Viele Menschen werden seiner schlanken, nachdenklichen Gelehrtengestalt ehrend gedenken.
Volkmar Hansen |
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