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Laudatio auf Hans-Jürgen Schmitt Kennen Sie Zeuss, Kaspar Zeuss? Den “ausgezeichneten Geschichts- und Sprachforscher” (Brockhaus, 1887), 1806 im Oberfränkischen geboren, der Lehrerstationen in Bamberg, München und Speyer absolviert hat? Zeuss hat die europäischen Urvölker mit Ausschluß der klassischen untersucht, 1837 “Die Deutschen und die Nachbarstämme” veröffentlicht, 1853 eine grundlegende “Grammatica Celtica”. Er stirbt 1856 in Vogtendorf bei Kronach, das sein Traditionsgymnasium nach ihm benannt hat. Um diesen Zeuss, der einen Teil von Deutschlands Aufstieg zur führenden Wissenschaftsnation im 19. Jahrhundert verkörpert, kommt niemand herum, der Hans-Jürgen Schmitt, den langjährigen Vorsitzenden der Kronacher Ortsvereinigung unserer Goethe-Gesellschaft, näher kennt. Lehrer am Zeuss-Gymnasium, beherzigt er eine briefliche Äußerung Goethes gegenüber Charlotte von Stein vom 29. Dezember 1782: “Es ist gar schön an einem Orte fremd seyn, und doch so nothwendig eine Heimath zu haben”. Die Dialektik von Neugier und Festgefügtem hat Schmitt aus einem geistig geprägten Heimatverständnis heraus, zu dem auch ein Jean Paul und ein August von Platen gehören, nach Begegnung und Austausch für junge Menschen programmatisch suchen lassen. Er ist mit seinen Schülern wenigstens einmal im Jahr in Weimar gewesen, hat mit ihnen an Kolloquien und Sommerkursen teilgenommen. In einem lebendigen Bildungsinteresse hat er Studienfahrten nach Frankfurt und ins Fichtelgebirge, nach Wetzlar, Venedig und zu den böhmischen Bädern unternommen, in zwei Schüben Goethes Hinweg nach Rom über Innsbruck und Terni nachvollzogen, Venedig, Erfurt und Düsseldorf, aus dem er drei Ausstellungen nach Kronach gebracht hat, besucht, die Mitglieder seiner Ortsvereinigung in die Schweiz, zu den deutschen Nietzsche-Stätten, nach Bad Lauchstädt und in die Thomas Mann-Stadt Lübeck, nach Leipzig und in die Lessing-Stadt Kamenz, ins Saale-Unstrut-Gebiet, in den Harz, in die Altmark und nach Brandenburg geführt. Vorbereitet und begleitet hat er diese Reisen durch Vorträge, oft von ihm selbst gehalten, obwohl er nach Kronach zahlreiche andere Vortragende mit der ganzen Palette von Goethe-Themen geholt hat, Vertonungen und Lesungen seinem Publikum anbieten konnte. Er wählte dafür originelle Gesichtspunkte. So konzentrierte er sich bei der Darstellung der Beziehung zwischen Goethe und Schiller auf die Jahre vor der eigentlichen Freundschaft, bei der Darstellung des “Götz von Berlichingen” auf die fränkische Komponente. Ein Höhepunkt der regen Ausstellungspräsentationen, sonst oft durch seinen Stellvertreter Herbert Schwarz in der Kreisbibliothek realisiert, war die Etablierung eines “Goethe und die Welt der Pflanzen” - Pavillons im Rahmen der bayerischen, von Ministerpräsidenten Stoiber eröffneten Landesgartenschau. Die Vergabe eines Goethe-Jugendpreises gehört zu den Aktivitäten dieses ungewöhnlichen Mannes, dessen schönste Leistung für die Ausbildung seiner Schüler die Theaterarbeit ist. Als Regisseur der Studiobühne des Zeuss-Gymnasiums hat er “Prometheus”, “Des Künstlers Erdewallen”, das “Fastnachtsspiel vom Pater Brey”, Balladen in Szene gesetzt, “Iphigenie auf Tauris” und beide “Faust” - Teile aufgeführt, mit einer Neuvertonung von “Erwin und Elmire” sogar eine Uraufführung arrangiert. Die Reichhaltigkeit seiner Arbeit hat dafür gesorgt, daß er von 1999 bis 2003 als Vertreter der Ortsvereinigungen in den Vorstand unserer Gesellschaft gewählt wurde. Dafür war noch ein anderer Grund ausschlaggebend - sein konkreter Brückenbau in die früher verschlossene, nur für unsere Hauptversammlungen kontrolliert geöffnete Welt Thüringens und Sachsens. In Dutzenden von Tagesfahrten mit seiner am 29. April 1990 auf dem Kickelhahn bei Ilmenau gegründeten Ortsvereinigung hat er in Kontakten zu Orten und Menschen deutsche Wiedervereinigung konkret gemacht, die Zonenrandsgebietsstadt Kronach zu einem Herzstück werden lassen. Kennen Sie die Genealogie Goethes? Wenn Sie darin noch nicht dem Maler Lucas Cranach, 1472 gebürtig aus Kronach, begegnet sind, dann sollten Sie sich an Hans-Jürgen Schmitt wenden, den begnadeten Mittler von Heimatliebe und Weltoffenheit. Volkmar Hansen |