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Akademische Tage in Seoul Vor 25 Jahren ist am 22. März, dem Todestag Goethes, die Koreanische Goethe-Gesellschaft gegründet worden, deren Präsidentin, Prof. Chon, Young-Ae, mich als deutschen Gast zu der Jubiläums-Tagung “Goethe - Kunst und Politik” in die Hauptstadt Seoul eingeladen hat. Die Vereinigung bildet das Zentrum der koreanischen Germanistik, bringt regelmäßig ein Goethe-Jahrbuch heraus, das sich neben dem internationalen, dem japanischen und dem nordamerikanischen in seinem wissenschaftlichen Anspruch durchaus sehen lassen kann. Die besondere Liebe für die deutsche Kultur, besonders auch für die Musik eines Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert kommt in solch einer Kontinuität zum Ausdruck. Die Vorbereitung auf den einwöchigen Aufenthalt begann in Düsseldorf mit einer Enttäuschung: es gibt keinen aktuellen deutschsprachigen Reiseführer für Südkorea, kurioserweise jedoch einen für das von Hunger bedrohte Diktaturland Nordkorea; ich mußte daher auf einen englischsprachigen Cityguide von Seoul zurückgreifen. Angekommen, blieb mir gerade Zeit für einen Nachmittagsspaziergang in einem Weltkulturerbe, dem kaiserlichen Palast-Gelände Changgyeong mit dem kräftigen Dunkelgrün des koreanischen Nationalbaums Kiefer und dem zarten Rot der Azaleen-Büsche. Seoul selbst gehört zu den überall in der Welt heranwachsenden Mega-Städten, hat jetzt 13 Millionen Einwohner. Die Jubiläumsveranstaltung in der Seoul National University, in deren vorzüglich geführten Hoam Faculty House ich untergebracht war, brachte das Wiedersehen mit zahlreichen Kollegen, auch aus anderen Städten, die ich vor elf Jahren auf einer Vortragstournee besuchen konnte. Mein Festvortrag hatte “Goethe und die große Politik - Akteur und Zeitzeuge” zum Thema und löste, wie auch bei den späteren Ausführungen zu Goethes Balladen, Klaus Manns Auseinandersetzung mit Gottfried Benn, Thomas Manns triumphalem Rom-Besuch 1953 lebhafte Diskussionen aus. Keine passive Hinnahme, sondern wacher Austausch kennzeichnete die anschließenden Gespräche in der “kleinen” Runde von Universitätslehrern und Studenten, die zwanzig Personen umfassen konnte. Das Wiedersehen mit Studienfreunden wie Sam Ahn, Su-Jong Kim oder Woo-Kyun Shin, die zu Professoren an den beiden anderen führenden Universitäten Korean und Yonsei geworden sind, die in unmittelbarer Zusammenarbeit verbundenen Kollegen wie der redegewandten Choe, Min Suk von der Ewha-Frauenuniversität und der Organisatorin Jang, Eun-Soo von der Hankuk-Fremdsprachenuniversität oder dem kraftvollen Kim, Ihmku und der herzlichen Lee, Young Im, schließlich die heutigen Hochschullehrer, die ich selbst als Doktorvater betreut habe, wie Koon-Ho Lee, spiegeln die dauerhaft-wechselseitige Verbindung zu Korea. Konkrete Absprachen zur Nachwuchsförderung und Stunden intensiver Diskussionen um Goethes “Maximen und Reflexionen”, die in eine Gesamtübersetzung einmünden werden, sind Anstrengungen, die der deutschen Sprache wieder mehr Ansehen verschaffen sollen. Neben diesem praktischen Nutzen steht anderes, ein Mehr: der griechische, heutzutage ins konkret menschheitliche gewendete Gedanke des Austauschs unter Sinn- und Wahrheitssuchenden, die Akademie. Volkmar Hansen |