05.10.2017, Donnerstag, 20:00 Uhr

Der finnische Jazz-Pianist Iiro Rantala ist ein "Naturereignis an den Tasten" (Jazz thing), ein Alleskönner, von dem sein New Yorker Kollege Gil Goldstein sagt: "Iiro Rantala ist eine pianistische Sensation und der stärkste mir bekannte Grund, an Reinkarnation zu glauben: Weil seine Technik wie sein musikalischer Sensus aus Tiefen spricht, die unmöglich in einem Leben alleine ergründet sein können."

Lange Zeit war der Name Rantala vor allem mit dem Trio Toykeät verbunden, einem der wildesten, witzigsten und visionärsten Klaviertrios der internationalen Jazz-Szene: Da lotete der Pianist alle Möglichkeiten dieser klassischen Besetzung aus, mal als energiegeladener Tastenlöwe, mal als feinfühliger Romantiker, dann wieder als burlesker Spaßvogel. Sein Spiel sprengte zwar alle Stile und war ebenso kompromisslos wie unterhaltsam, doch wurde es stets von einem magischen Dreieck ausbalanciert: grenzenlose Technik, Sinn für Humor und untrüglicher Geschmack. Qualitäten, die sich Rantala bewahrt hat, nachdem er 2006 nach 18 Jahren das Trio auflöste, um sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren.

Diese kam 2011 in Schwung mit dem Album "Lost Heroes", auf dem der Finne seinen musikalischen Helden mit Eigenkompositionen Tribut zollt, von Jean Sibelius über Esbjörn Svensson bis hin zu Luciano Pavarotti. Rantala vermeidet jegliche Sentimentalität zugunsten einer großen, ehrlichen Geste der Verehrung und bleibe dabei ganz er selbst: Einer der souveränsten Pianisten des skaninavischen Jazz.

Die Einspielung wurde als eine der besten Piano-Soloaufnahmen der letzten Jahre begeistert gefeiert. Die FAZ attestierte "Intelligenz, Humor, viel Sentiment, unvorhersehbare Ideen und feinstes Piano-Handwerk", die Süddeutsche Zeitung sprach von einem "Meisterstück", und die Deutsche Schallplattenkritik kürte "Lost Heroes" zum Jazzalbum des Jahres. Schließlich wurde Iiro Rantala 2012 mit dem ECHO Jazz eehrt als bester Pianist international.

Mit seinem John-Lennon-Tribute "My Working Class Hero" widmet sich Rantala, den Wolfram Goertz (Fono Forum) "einen der wichtigsten Historiker im Jazz" nennt, nun seinem vielleicht größten Helden. Schon als Kind fragte er sich bei Lennon-Songs: "Wie kann dieser Typ etwas so Einfaches und zugleich so Kraftvolles schreiben?" Die Verbindung von Einfachheit und Kraft ist auch Rantalas vielleicht größte Kunst. Was bei ihm so mühelos klingt, ist das Ergebnis eines langen, fordernden Prozesses, in dem sich Rantala an dem Material regelrecht abgearbeitet hat.

Die selbstgestellte Aufgabe: Weltberühmte, so einfache wie geniale Songs wie "Imagine", "Woman" oder "All You Need Is Love" so zu bearbeiten, dass aus ihnen etwas Neues entsteht, ohne dabei ihre Seele zu zerstören. Rantala gelingt dies auf immer wieder überraschende Weise: Mal, indem er sich sehr weit hinaus wagt und die Geschichte der Originale weitererzählt. Manchmal aber auch, indem er ganz nah an einem Thema, einer Melodie bleibt und diese nur in einem anderen harmonischen Kontext und in neuen Schattierungen leuchten lässt. Was entsteht, ist Musik mit Herz und Seele, voller Groove und Melodie, Humor und Melancholie, Geist und Tiefe und doch mit einem Schalk im Nacken.