#Glanzpunkt 5: Goethe im Bild: Goethe-Porträt von Johann Heinrich Lips

Johann Wolfgang von Goethe,
Kupferstich, 1791, von Johann Heinrich Lips (1758-1817)

Seit 1789 ist Johann Heinrich Lips Professor in der Herzoglichen Freien Zeichenakademie in Weimar. Dort sitzt Goethe für den Kupferstecher und Maler Modell, und zwar an drei Tagen Mitte Januar 1791.

Goethe und Lips kennen sich bereits seit 1775. Damals hatte Goethe ihn auf seiner Schweizer Reise besucht und auch den Förderer von Lips getroffen, den berühmten Theologen und Schriftsteller Johann Caspar Lavater. Während des langen Stillsitzens könnte sich Goethe mit Lips über die „Physiognomischen Fragmente“ von Lavater unterhalten haben, oder über die gemeinsamen Rom-Erlebnisse, vielleicht auch über Düsseldorf. Johann Heinrich Lips war nämlich 1781 Professor der Düsseldorfer Kunstakademie und hatte dort, wie Goethe auch, den Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi aus Pempelfort getroffen (siehe #Glanzpunkt 4: „Landschaft mit dem Freiheitsbaum“).

Das Außergewöhnliche dieses Goethe-Rundbilds ist der offene und klare Blick, direkt dem Betrachter zugewandt. „Ein großes Haarteil gibt seinem Antlitz ein löwenartiges Aussehen. Der aus der Antike stammende Topos der Löwenphysiognomie, als Kennzeichen der Stärke und des Mutes, wurde in der Renaissance als Herrschertypus wieder aufgegriffen und in der barocken Herrscherallegorik als politische Erhöhung verwendet.“ (Schulze, Goethe und die Kunst, S. 165). Goethe – ein Löwe? Vergleichen Sie Ihre Eindrücke mit den anderen Goethe-Porträts der Sammlung! Zum Beispiel mit der Büste von Weißer, gestaltet nach der Lebendmaske (siehe #Glanzpunkt 6). Die Ähnlichkeit der Zeichnung mit Goethe war jedenfalls bei den Zeitgenossen umstritten.


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