#Glanzpunkt 6: Goethe in 3D: Die Büste von Karl Gottlob Weißer

Johann Wolfgang von Goethe,
Porträtbüste, 1807, in Gips von Karl Gottlob Weißer (1780-1815)

Goethe schreibt am 27. Februar 1820 an Sulpiz Boisserée: „Es sind wohl sechs und mehr Jahre, daß ich Gall zuliebe, der bei uns einsprach, meine Maske abformen ließ, sie ist wohl geraten; Weiser [Weißer] hat sie nachher aufgesetzt und die Augen geöffnet, sollte es nicht hinlänglich sein, wenn ich beides hinsendete? Wie müßte man tun, wenn sich das Original in die ewigen Wohnungen entfernt hätte. Die Formen sind hier ganz genau, Geist, Leben und Liebe muß ja ohnedem der Künstler hineinstiften.“

Dies war Goethes Rückblick auf den 19. Oktober 1807. An diesem Tag hatte Karl Gottlob Weißer für den Hirnforscher Franz Joseph Gall Goethes Gesichtsmaske abgenommen. Goethes Kommentar zu dieser Prozedur an seinen Sekretär Kräuter: „Glaubt mir, guter Kräuter! Es ist keine Kleinigkeit, sich solchen nassen Dreck ins Gesicht schmieren zu lassen!“

Und ebenjener Weißer ist es, der „Geist, Leben und Liebe“ in die Maske „hineinstiftet“ und uns heute einen Eindruck des lebendigen, 58-jährigen Dichtergenies schenkt.