Zauberbuch mit Höllenzwang


Doch im Gegensatz zur schriftlichen Überlieferung für den Ritter, der mit der neuen Ordnung des Reichsfriedens zusammenstößt, existiert der erfolgreiche Teufelsbündner Johann Faust, der von ca. 1480 bis 1540 gelebt hat, durch die Spielpraxis der Nachgeborenen: „Die bedeutende Puppenspielfabel des andern klang und summte gar vieltönig in mir wider“. Goethes Ausgangspunkt ist also nicht das Volksbuch der Historia von D. Johann Fausten von 1587 in direkter oder der durch gut anderthalb Jahrhunderte verdünnten Form, sondern das populäre Jahrmarktsspiel mit Fingerköpfen oder mit den am Fadenkreuz hängenden Puppen, das über Christopher Marlowes Tragicall History of the Life and Death of Doctor Faustus und die englischen Wanderbühnen nach Deutschland zurückgekehrt ist. Schon zu Messezeiten, als für die Besucher Bühnen aufgemacht wurden, dürfte er in Frankfurt am Main mit dem Stück konfrontiert worden sein, möglicherweise auch in einem Jahrmarktsdruck. Als Kind gehörte eine Puppenspielbühne zu den geliebten Weihnachtsgeschenken. Die autobiographische Schilderung läßt aber auch verstehen, weshalb wir über die frühste Phase so wenig Hinweise haben: „Nun trug ich diese Dinge, sowie manche andre, mit mir herum und ergetzte mich daran in einsamen Stunden, ohne jedoch etwas davon aufzuschreiben“. Es ist daher nicht auszuschließen, wie Äußerungen der Spätzeit nahelegen, daß schon 1769 erste innere Ausformulierungen von Szenen entstanden sind.


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