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„Das Schaudern ist der Menschheit bestes Teil” (V. 6272) spiegelt man Fausts Wort im zweiten Teil der Tragödie, als er hofft, in Mephistos ungeheurem „Nichts“ das „All“ zu finden (V. 6256), auf den ersten zurück, dann ist die durchgreifend-dämonisierende Wirkung des Faust nicht allein auf die Polarität des Titelhelden mit seiner teuflischen Gegengestalt Mephisto oder die Rührung durch das Schicksal Gretchens zurückzuführen, sondern auch auf die Darstellung des Bösen in der „Walpurgisnacht“, auf die Verdichtung des satanischen „Gefilds“ (V. 2432) in der Hexenversammlung auf dem Brocken in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. So wie Goethe durch den „Prolog im Himmel“ seiner Tragödie Transzendenz mitgibt, so auch eine phantastische Welt des Aberglaubens, die in der Realgeschichte vom Ende des Mittelalters bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts als Hexenverfolgung grausame Folgen zeitigte und erst durch die Aufklärung entscheidend bekämpft werden konnte. Goethe beschreibt am 30. Juni 1787 seinen Ausgangspunkt: „Wir haben die famosen Hexen Epoche in der Geschichte, die mir psychologisch noch lange nicht erklärt ist, diese hat mich aufmercksam und mir alles wunderbare verdächtig gemacht“. Die „Walpurgisnacht“, in der Tradition von Shakespeares beiden Hexen-Szenen im Macbeth stehend, klärt uns über das Verständnis des Bösen in seinem Denken auf, beantwortet auch unsere Gegenwartsfragen. Goethes Suche nach Gestaltung des Problems wird in der Werkgeschichte greifbar, auch wenn die formale Anregung, den Teufelsbündner Faust mit der Hexenversammlung zusammenzuführen, auf den im Harz geborenen Schriftsteller Johann Friedrich Löwen (1727-1771) zurückgehen dürfte, der 1756 ein vielbeachtetes komischsatirisches Versepos Die Walpurgis Nacht in Alexandrinern veröffentlicht hat. |
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