Franz Ludwig Catel (1778-1856)
Nach dem Überfall im Walde
Tuschzeichnung, 1799


Goethe selbst konsultierte Ärzte der praktischen Schulmedizin, so z.B. Georg Christian Reichel (1717-1771) in Leipzig, in Frankfurt auf Empfehlung von Susanna Katharina von Klettenberg den Arzt Johann Friedrich Metz (1721-1782), in Weimar Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836), den Jenaer Professor der Medizin Johann Christian Stark (1753-1811), den herzoglichen Leibarzt Wilhelm Rehbein (1776-1825) und Carl Vogel (1798-1864), der als weimarischer Hofmedicus Goethes letzter Hausarzt war. Überzeugt und angetan von dessen Fähigkeiten, ist er für Goethe „einer der genialsten Menschen, die [ihm] je vorgekommen sind“ (zu Eckermann am 24. Januar 1830). An Freund Boisserée schreibt er lobend über ihn am 31. Mai 1830: „Habe einen trefflichen Arzt zur Seite, der die Weinen Abweichungen der Natur wieder einzulenken weiß.“ Auch auf Reisen besuchte der Dichter Spezialisten, deren Rat er einholte: Johann Christian Reil (1759-1813) in Halle, der als Leiter eines Lazaretts in den Freiheitskriegen an Typhus starb, Christian Erhard Kapp (1739-1824) und C. A. Wilhelm Berends (1759-1826) in Karlsbad. Carl Joseph Heidler (1792-1866) beriet Goethe als Badearzt in Marienbad. Die Auswahl der genannten Autoritäten unterschiedlichen Alters belegt, dass Goethe ärztlichen Rat zu allen Zeiten seines Lebens einholte, gerade das persönliche Gespräch mit dem Mediziner schätzte.
Die Heilkunde umfasst die Medizin mit ihren praktischen und theoretischen Disziplinen. Die Lehren des führenden Mediziners Herman Boerhaave (1668-1738), der die Unterweisung von Studierenden am Krankenbett einführte und die klinische Diagnostik vervollkommnete, beherrschen die universitäre Ausbildung zu der Zeit, als der junge Goethe in Leipzig am Mittagstisch von Hofrat Ch. G. Ludwig diese Fakultät kennenlernte. „Er war“, so schreibt er später in „Dichtung und Wahrheit“, „Medikus, Botaniker, und die Gesellschaft bestand, [...], in lauter angehenden oder [sich] der Vollendung nähernden Ärzten. Ich hörte nun in diesen Stunden gar kein ander Gespräch als von Medizin oder Naturhistorie, und meine Einbildungskraft wurde in ein ganz ander Feld hinübergezogen. Die Namen Haller, Linné, Buffon hörte ich mit großer Verehrung nennen [...].


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